Fieseler Storch
– Meisterwerk der Ingenieurskunst und Legende der Luftfahrt
Der Fieseler Fi 156 „Storch“ zählt zu den berühmtesten Flugzeugen der Luftfahrtgeschichte. Entwickelt Mitte der 1930er-Jahre von den Gerhard-Fieseler-Werken in Kassel, vereinte er technische Raffinesse, außergewöhnliche Flugeigenschaften und eine unverwechselbare Silhouette. Bis heute fasziniert der Storch Piloten, Ingenieure und Technikbegeisterte gleichermaßen – nicht nur als Originalflugzeug, sondern auch im Fieseler Storch Flugsimulator am Flughafen Kassel.
Die Entstehung – Eine Ausschreibung verändert die Luftfahrt
Im Jahr 1935 schrieb das Reichsluftfahrtministerium (RLM) einen Wettbewerb für ein neues Kurzstart- und -landeflugzeug (STOL – Short Take Off and Landing) aus. Gesucht wurde ein leichtes Verbindungs- und Beobachtungsflugzeug, das auf kürzesten Strecken starten und landen konnte, selbst auf unebenem Gelände oder provisorischen Feldern.
Mehrere Hersteller reichten Entwürfe ein – darunter Messerschmitt und Siebel. Doch Gerhard Fieseler, ehemaliger Kunstflugweltmeister und visionärer Konstrukteur, überzeugte mit seinem Konzept: Der Fi 156 „Storch“ war leicht, robust, bot dank großer Flügel und ausgefeilter Klappensteuerung herausragende Langsamflugeigenschaften – und konnte auf nur rund 60 bis 80 Metern abheben oder landen.
Diese revolutionäre Kombination aus Präzision, Robustheit und Langsamflugfähigkeit machte den Storch zum klaren Sieger der Ausschreibung – und zum Standard-Verbindungsflugzeug der deutschen Luftwaffe.
Gerhard Fieseler – Pionier mit Leidenschaft

Der Namensgeber des Storches, Gerhard Fieseler (1896–1987), war ein außergewöhnlicher Mann: Kunstflieger, Weltrekordhalter und Unternehmer. Nach seinem Sieg bei der Kunstflugweltmeisterschaft 1934 widmete er sich ganz dem Flugzeugbau. In seinen Kasseler Werken entstanden zunächst leichte Sportflugzeuge – bis mit dem Fi 156 sein Meisterstück geboren wurde.
(v.l.n.r.) Gerhard Fieseler und Vera von Bissing (Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-H1020-0500-003 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en, via Wikimedia Commons)
Technische Brillanz – Warum der Storch so besonders war
Der Fieseler Storch war kein gewöhnliches Flugzeug. Seine Konstruktion vereinte leichte Holz-Tragflächen, einen stabilen Stahlrohrrumpf und eine Stoffbespannung, was ihm enorme Wendigkeit verlieh. Der 240 PS starke Argus As 10 V8-Motor ermöglichte Geschwindigkeiten bis 175 km/h – und gleichzeitig sicheren Flug bei unter 60 km/h.
Ein besonderes Merkmal war das langbeinige Fahrwerk, das dem Storch nicht nur seinen Namen gab, sondern auch die Fähigkeit verlieh, auf unebenstem Boden zu landen. Selbst heute sind Piloten beeindruckt von seiner Präzision und Kontrolle im Langsamflug – ein Grund, warum der Storch als Vorläufer moderner STOL-Flugzeuge und Helikopter gilt.

Das Transportflugzeug Fieseler Fi-156C der ungarischen Luftwaffe. (Quelle: FORTEPAN / Konok Tamás id, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons)
Ein Flugzeug mit Charakter
.jpg)
Morane-Saulnier MS 500 im Nationalen Luftfahrtmuseum Argentinien (Quelle: By aeroprints.com, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32547274)
Das Besondere am Fieseler Storch war seine Langsamflugeigenschaft – er konnte praktisch „in der Luft stehen“. Dank seiner Klappen und der ausgefeilten Aerodynamik flog er stabil mit Geschwindigkeiten unter 60 km/h, ein Kunststück, das kaum ein anderes Flugzeug seiner Zeit erreichte. Die großen Fenster ermöglichten eine nahezu perfekte Rundumsicht, was ihn besonders als Beobachtungsflugzeug prädestinierte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Storch in über 3.000 Exemplaren gebaut und weltweit eingesetzt. Nach dem Krieg entstanden zahlreiche Nachbauten, unter anderem in Frankreich als Morane-Saulnier MS 500/502 und in der Sowjetunion als Antonov OKA-38. Heute existieren nur noch wenige flugfähige Originale – einer davon ist der Kasseler Storch D-EKLU, Baujahr 1943, in der seltenen „C3-Tropen“-Ausführung, restauriert vom Verein Fieseler Storch für Kassel e.V.
Die berühmte „Sacklandung“ – Wenn der Storch senkrecht landet
Eine der faszinierendsten Eigenschaften des Fi 156 war seine Fähigkeit zur sogenannten Sacklandung. Durch das Zusammenspiel von Hochauftriebsklappen, Vorflügeln und starker Bremswirkung konnte der Storch fast senkrecht aus der Luft heruntergleiten – und auf kürzester Strecke zum Stillstand kommen.
Dieses Manöver, oft bei starkem Gegenwind demonstriert, war spektakulär anzusehen: Der Storch schien nahezu in der Luft zu stehen und sank dann sanft wie ein Fallschirm zu Boden. Diese Fähigkeit rettete im Krieg unzählige Leben – etwa bei Evakuierungen oder Notlandungen auf winzigen Flächen.

Der Kasseler Storch D-EKLU – Ein Original kehrt heim

Ein besonderes Stück Geschichte ist der Fieseler Storch D-EKLU, Baujahr 1943, in der seltenen „C3-Tropen“-Version. Er wurde ursprünglich für den Einsatz in Nordafrika gebaut, überstand eine lange Odyssee durch Europa und kehrte schließlich nach Kassel zurück. Der Verein „Fieseler Storch für Kassel e.V.“ restaurierte ihn aufwendig zu einem voll flugtauglichen Original – ein fliegendes Denkmal deutscher Ingenieurskunst. Heute steht der D-EKLU in der Gerhard-Fieseler-Halle am Flughafen Kassel und erinnert an die Wurzeln dieser bemerkenswerten Maschine.
Der Kasseler Fieseler Storch D-EKLU am Kassel Aiport (Quelle: Raulf)
Technische Daten des Fieseler Fi 156 „Storch“
Spannweite
14,25 m
Motor
Argus As 10 V8, 240 PS Startleistung
Startstrecke
ca. 75 m
Reichweite
300-500 km
Länge
9,9 m
Höchstgeschwindigkeit
175 km/h
Landestrecke
ca. 26 m
Höhe
3,05 m
Langsamfluggrenze
51 km/h
Dienstgipfelhöhe
4.600 m
Vom Original zum Flugsimulator – Geschichte zum Erleben
Mit dem Fieseler Storch Flugsimulator wurde in Kassel ein einzigartiges Projekt verwirklicht: Ein detailgetreuer Nachbau des Cockpits, entwickelt an der Universität Kassel, macht es möglich, dieses legendäre Flugzeug virtuell zu erleben.
Realistischer Motorsound, originalgetreue Instrumente und eine 180°-Leinwandprojektion lassen die Faszination des Fliegens im Fi 156 lebendig werden. Das Projekt verbindet historische Technik mit moderner Digitalisierung – ein Erlebnis, das Geschichte, Ingenieurskunst und Begeisterung für das Fliegen vereint.
Ob Hobby-Pilot, Technikfan oder Geschichtsliebhaber – hier wird der Traum vom Fliegen im legendären Storch Wirklichkeit.

Erleben Sie selbst, warum der Fieseler Storch als eines der faszinierendsten Flugzeuge der Welt gilt – im originalgetreuen Flugsimulator am Flughafen Kassel.
